Sonntag, 15. März 2015

Japanurlaub 2015, 3.1.–4.1.

Samstag, der 3. Januar 2015

Zum Frühstück gibt es heute Okayu (wenig Reis wird mit viel Wasser gekocht). Mmh, das tut gut und schmeckt. :-)


Dazu nasche ich noch ein Mochi mit Kurian (Kastaniencreme). Und ich bin selig. ^____^


Ein Blick vom Balkon zeigt einen strahlend blauen Himmel. Das verspricht ein schöner Tag zu werden. Und so beschließen wir spontan, heute in den Zoo von Nagoya zu gehen.


Meine Mutter, Kazu und ich machen uns zu dritt auf den Weg. Der Wind ist eisig und meine Mutter und ich müssen feststellen, dass wir uns beide zu dünn angezogen haben. Brrr. Kalt.

Der Higashiyama Zoo hat einen See in der Mitte und außen entlang gibt es eine Hochbahn, mit der man den Zoo einmal umrunden kann (natürlich kostenpflichtig :-P)
Wir nutzen das Angebot und schauen uns den Zoo von oben an. Für mich ist es der erste Besuch, während meine Mutter und Kazu 2010 schon einmal hier waren.
Tiere sind von oben kaum zu sehen. Aber man sieht Tretboote auf dem Wasser und da ist für Kazu klar: Er will Tretboot fahren.


Der hohe Turm nennt sich Higashiyama Sky Tower. Er ist 134 m hoch (da er auf einem Hügel steht im Grunde sogar 214 m hoch) und beherbergt eine Aussichtsplattform mit 360° Rundum-Ausblick sowie ein Restaurant. Der Turm ist vor allem bei Pärchen sehr beliebt für ihre Dates.
Unser vorrangiges Ziel ist, Kazu einen schönen Tag zu bereiten. Auf den Turm verzichten wir.

Nachdem Kazu die Tretboote gesehen hat, hat er jegliches Interesse an den Tieren verloren. Allerdings muss ich sagen, dass mir der Zoo auch nicht so gut gefällt. Es sind kaum Tiere zu sehen. Und wenn man friert, ist man eh eher unmotiviert.
Irgendwann komme ich mal im Sommer hierher. Da ist es sicherlich schöner.
Und so gehen wir ohne viele Umwege durch die Tierhäuser zu den Tretbooten.


Doch ...
Bei den Tretbooten angelangt, kommen die Zweifel. Meine Mutter fährt auf keinen Fall mit so einem Boot. Kazu ist zu klein, um beim Treten zu helfen. So liegt alles bei mir. Aber ich habe ein kaputtes Knie. Wenn ich es jetzt gleich zu Anfang des Japanurlaubs mein Knie zu stark strapaziere ...

Kazu ist am Boden zerstört, als wir ihm klar machen, dass wir doch nicht Tretboot fahren können.
Mir tut es sehr, sehr leid.
Schließlich gelingt es mir, ihm die Lage verständlich zu machen und schließlich fängt er sich wieder.

Wir gehen noch in den Vergnügungsteil des Zoos mit den Fahrgeschäften und fahren dort mit der Kinderachterbahn u.ä.
Auch die große Schiffsschaukel testen wir und setzen uns vorsichtshalber in die Mitte.
Los geht's. Immer höher und mit Schwung wieder zurück. Kazu wird immer blasser im Gesicht. Er wird doch nicht ... Aber meinem Magen geht es auch nicht so besonders.
Wir überstehen die Fahrt, ohne uns zu übergeben, haben aber beide nun die Nase voll von derlei Fahrspaß.

Wir verlassen den Zoo und ziehen weiter.
Unser nächstes Ziel ist die Patisserie Chez Kobe. Ich wollte doch so gerne in Japan feinen Kuchen essen. ^^
Chez Kobe ist ein edles kleines Café, das ich allerdings nicht sonderlich gemütlich finde.


Wasser mit Eiswürfeln und Oshibori (warmes, feuchtes Tuch) werden gebracht.
Unten an der Vitrine kann man sich die Kuchen aussuchen. Kazu entscheidet sich für einen Gâteau Fraise, ich wähle ein Waguri Mont Blanc (ein Mont Blanc mit japanischen Esskastanien).

An Getränken (das Wasser ist Teil des Service und gibt es in Japan immer kostenlos) bestellen wir einen Apfelsaft und für mich einen Kräutertee.
Beides Getränke, die in Japan auf einer Getränkekarte nicht immer anzutreffen sind.


Beide Kuchen sind für meinen Geschmack zu mächtig. Dem Mont Blanc fehlt dazu der Pfiff.
Ich bin enttäuscht von meinem ersten Besuch einer Pâtisserie. :-(

Nun, kann nur besser werden und Spaß gemacht hat es trotzdem. :-D

Zu Hause gibt es zum Abendessen Nabe. Immer wieder lecker.


Den Tag beenden Kazu und ich mit einem gemeinsamen Bad.
Für mich eine echte Überwindung, da ich gar nicht gerne lange bade. ^^;;
Aber was tut man nicht alles fürs Kind. :-D

Sonntag, der 4. Januar 2015

Da ich mit Kazu ins Bett gegangen bin, wache ich relativ früh auf. Wie ich es von Berlin gewohnt bin, stehe ich auf, um die morgendliche Ruhe bei einer Tasse Tee zu genießen und dabei meine Zeitschriften zu lesen.
Aber hier ist nun mal nicht Berlin. Meine Mutter ist heute auch mal früher wach und beginnt gleich, mir alles mögliche zu erzählen.

Nachdem Kazu und ich gestern mit Babasan unterwegs waren, ist heute ein Ausflug zu dritt mit K-san angesetzt.
Er fährt mit uns ins Eisenbahnmuseum, bzw korrekt gesagt in den SCMAGLEV and Railway Park (oder siehe HIER).
SCMAGLEV steht für Superconducting Magnetic Levitation.


Das Museum öffnet um 10:00 Uhr und wir sind paar Minuten nach da. Da heute Sonntag ist, ist es hier immer sehr voll, so dass K-san frühzeitig da sein wollte. Wir liegen also gut in der Zeit.^^

Zuerst stellen wir uns an, um ins Cockpit des japanischen Hochgeschwindigkeitszugs Shinkansen, Baureihe N700 (war es, glaube ich) zu kommen. Anfangs wusste ich gar nicht, was uns erwartet, und warum wir uns anstellen sollen. Aber ich bin ja neugierig.
Und da wir früh dran sind, brauchen wir nur etwa 15 min anstehen, um in den Zug gelassen zu werden. Sonst wartet man hier wohl locker eine Stunde.

Doch was ist das? Ich dachte, wir wären jetzt dran, aber man bittet uns, im Abteil Platz zu nehmen.


Vorne sehe ich nach einer Weile, wie welche aus dem vorderen Teil kommen und gehen. Dann steht die erste Reihe auf und betritt das Cockpit.
Alles muss nun nachrutschen. Und so stehen wir auf und setzen uns eine Reihe weiter nach vorne.
Von "es sich im Sitz bequem machen" ist daher nicht die Rede.
Der kleine Junge aus der ersten Sitzreihe bekommt eine Jacke angezogen und eine Mütze aufgesetzt.
Na, das brauchen wir aber nicht. Obwohl Kazu sicher süß in der Uniform aussehen würde.
Wir rutschen wieder weiter auf, bis wir schließlich vorne sind. Mittlerweile sind weitere gute 20 min Wartezeit vergangen.
K-san besteht darauf, dass wir beide Jacke und Mütze anziehen. Aaaah! Voll peinlich!
Als das Cockpit frei ist, werden wir hineingebeten. In Pose setzen und die Fotografin schießt ein Foto. (Das Foto kann man anschließend natürlich käuflich erstehen.)


Im Museum gibt es viele Vorrichtungen, die einem erläutern, wie die Züge funktionieren. Die Erklärungen sind kindgerecht (für Grundschüler und japanisch sollte man auch lesen können :-P) und die Bedienungskonsolen niedrig genug, so dass Kazu ohne Probleme daran rumspielen kann.^^


Besonders interessant ist die Maglev-Simulation. Die modernste Magnetschwebebahn, die in Japan gerade getestet wird, hat eine Reisegeschwindigkeit von 500 km/h. Im Passagierraum-Simulator kann man die Geschwindigkeit mit erleben.

Auch was es sonst so zu sehen gibt, ist interessant. Mir gefallen die vielen Züge aus den verschiedenen Jahrzehnten und Jahrhunderten.
Das Diorama ist ebenfalls sehenswert.

Wenn Kazu mindestens neun Jahre alt ist, wäre das Museum sicher weitaus interessanter für ihn.
Da K-san merkt, dass es nichts mehr für Kazu zu sehen gibt, verlassen wir um die Mittagszeit das Museum. Im Museums-Souvenir-Shop darf Kazu sich noch etwas aussuchen. Er entscheidet sich für eine Stiftetasche in Form eines Schnellzuges.

Um den Mittagshunger zu stillen, fährt K-san mit uns in eine der vielen Filialen der Kaffeehauskette "Komeda Coffee" (Hier ein Link zu interessanten Infos: http://nagoya-info.com/cafes/komeda/).

Juppie! Ich freue mich, weil Komeda auf meiner "want to go" Liste steht.^^ Allerdings wegen des Kuchens, doch jetzt ist mir nicht nach Kuchen, sondern nach etwas kräftigerem. Egal.

Wir studieren die Karte und ich lasse Kazu wählen.
"Kazu, was magst du essen?"


Kazu wählt das Katsusando. Ein längliches Brötchen, da mit einem Schnitzel (Tonkatsu), Kohl und Soße gefüllt ist. Kostenpunkt: 780 Yen (etwa 6,20 €).

Getränke sind in Japan stets sehr teuer. Mir reicht das Wasser, dass es kostenlos gibt und auch bei Wunsch kostenfrei nachgefüllt wird.


Kazu entscheidet sich für ein Glas Calpis (ein japanischer Milch-Softdrink), da es seinen bevorzugten Apfelsaft nicht gibt. Hier der Link zu den angebotenen kalten Softdrinks:  http://www.komeda.co.jp/menu/drink.html

Als unsere Bestellung kommt, sind wir überrascht. Das Sandwich ist größer als erwartet. Es ist gigantisch!



Nicht einmal zu zweit schaffen wir das ganze Sandwich.
Viel Brot, wenig Gemüse, viel Soße und fettiges Fleisch ist auch nicht so mein Fall. Ähem.

Nachdem wir satt sind, fährt uns K-san nach Kariya. Dort gibt es eine Anlage mit Fahrgeschäften.
Das Wetter ist schön und Kazu hat viel Spaß.^^


Na? Seht ihr ihn?


K-san ist so nett und fährt mit Kazu dieses Tretauto. Ich fahre mit Kazu Achterbahn. Und noch vieles mehr. :-D


Und ein Auto. Kazu und ich machen ab, dass ich Gas gebe (auf meiner Seite ist das Gaspedal) und er lenkt (auf beiden Seiten ist ein Lenkrad.)
Als wir dann im Auto sitzen, lese ich auf Kazus Lenkrad "Dummy". Oh nein. Da Kazu aber so begeistert dabei ist, sage ich nichts und lasse ihn lenken und versuche, unbemerkt meine Seite zu bewegen.
Er ist so stolz und glücklich, dass er lenken darf ...


Am Nachmittag fahren wir zurück, holen Babasan ab und fahren noch gemeinsam einkaufen. Anschließend geht es in den Eisladen ("Chateraise"), Nachschub holen. :-)
Ein schöner Tag ist wieder zu Ende. Wir lassen uns das Abendessen schmecken.

Im Foto unten hält Kazu stolz seine neue Stiftetasche Teddy-Schlafsack in der Hand. :-D


Im Bett (Futon) wünscht sich Kazu eine Gute-Nacht Geschichte.
Sie soll von Teddy, Totoro und Kazu handeln. Kurz überlegt und ich lege los.

"Teddy, Totoro und Tobi fahren ein Rennen. Tobis Rennwagen ist gleich ganz weit vorne. ...
Teddy hat wie immer seinen Honigtopf dabei und Totoro hat sich ein paar Nüsse eingepackt.
In einer scharfen Kurve fällt Teddys Honigtopf um. ...
Da ist Teddy ganz traurig. ..."

Als ich das erzähle, fängt Kazu an zu weinen.

"Was ist los? Warum weinst du?"
Kazu: "Weil Teddys Honigtopf umgefallen ist. Und Teddy traurig ist."

Oh je. Dabei kommt die positive Wendung der Geschichte noch.
Denn natürlich habe ich mir ein Happy End ausgedacht.

Ich tröste meinen Sohn und erzähle schnell, wie sich alles zum Guten wendet.
Es ist gar nicht so leicht, kindgerechte Geschichten zu erzählen.

Kommentare:

  1. Wenn du deine Posts verfasst, hat man immer das Gefühl dabei zu sein. Danke :)

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    1. Hallo Sarina! *freudig wink*
      Ich freue mich riesig von dir zu lesen! Wie geht es dir? Herzlichen Glückwunsch noch zur abgeschlossenen Ausbildung.
      Ganz liebe Grüße, Mari

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  2. Kazu scheint ja wirklich viel Spaß gehabt zu haben in Japan ;)
    Ich finde das Essen, was deine Mutter zuhause kocht echt interessant.
    Es sieht wirklich lecker aus, da bekomme ich auch Lust mal wieder richtig japanisch zu essen.
    Wollte Kazu eigentlich auch mal mit Stäbchen essen? Immerhin hat er ja gesehen, wie alle Erwachsenen auch mit Stäbchen essen.
    Es gibt in Japan ja auch diese netten Anfänger-Stäbchenhilfen für Kinder.
    Spricht K-san auch Deutsch? Weil er hat ja auch viel mit Kazu gemacht.

    Liebe Grüße

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    1. In Japan wollte er lieber eine Gabel haben. Wahrscheinlich wollte er sich vor den Großeltern nicht blamieren. Denn zurück in Berlin hat er angefangen, fleißig mit den Stäbchen zu üben. :-D
      K-san spricht kein Deutsch. Daher wollte Kazu auch nie alleine mit ihm weg gehen.
      Aber so hat Kazu wenigstens Japanisch gesprochen, auch wenn es sich nur auf "danke" "Gute Nacht" etc beschränkte. Mir war es wichtig, dass Kazu lernt, dass die japanische Sprache tatsächlich existiert und er sich verständigen kann.

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    2. Danke für die Antwort. Bestimmt lernt er schnell mit Stäbchen zu essen ;)
      Ich kann mir gut vorstellen, dass es dann lieber nicht alleine mit K-san weggehen wollte, weil wenn man sich nicht verständigen kann bekommt man in einem fremden Land als Kind bestimmt das Gefühl von Unsicherheit. Aber wenn er jetzt weiß, dass es die japanische Sprache gibt, vlt möchter er sie auch mal lernen ;)

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