Mittwoch, 12. Oktober 2011

Burn-out?

Dienstag, den 11. Oktober 2011

Ich konnte mal wieder nicht schlafen und bin morgens um halb zwei aus dem Bett gefallen.
Der Schlafmangel macht mich fertig. Ich hatte mir daher letzte Woche Tabletten aus der Apotheke geholt: Kytta Sedativum Dragees. Mal sehen. ob die helfen.
Dazu bekam ich noch eine Apotheker-Rundschau in die Hand gedrückt. Darin gab es einen Artikel über Burn-Out.
Burn-out befällt vor allem Menschen, die eine Art innere Stimme haben, die ihnen sagt:
"Sei perfekt! Streng dich an! Sei stark! Mach es allen recht!"
Bei mir ist diese Stimme sehr sehr laut. ...
Gar nicht mehr abschalten können, gilt als eines der wichtigsten Warnsymptome. Abschalten? Wie geht das? Ich arbeite zu Hause, führe den Haushalt, kümere mich ums Kind ... Abschalten?
Weitere Symptome sind:
Erschöpfung ... ich bin alle ...
Leistungsabfall ... ich steh doch noch senkrecht ...
sozialer Rückzug ... hey, ich hab Verabredungen ...
Magenprobleme ... die habe ich eh seit Jahren ...
Schlafproblem ... ähm ...

Nun, bei mir läuteten alle Warnglocken, als ich den Artikel las.

Nachdem ich traurig und wieder den Tränen nahe mein Kind in der Kita abgegeben hatte (mit den üblichen Schwierigkeiten), trottete ich nach Hause (den Bus hatte ich natürlich gerade verpasst). Ich muss heute ins Studio, dann will ich noch zum Asia Supermarkt, zu Veganz, und auch Alltägliches muss noch eingekauft werden. Ich habe noch nicht gebloggt, und nachmittags muss ich wieder hier sein, um Kazu abzuholen. So viel zu tun, so wenig Zeit. Und langsam rückt auch der Abgabetermin für die nächsten Untertitel näher. Eigentlich wollte ich mit denen schon im September anfangen. Aber irgendwie war ja immer was los, wie man an den zahlreichen Posts gut nachvollziehen kann.

Es heißt, zwar, dass es normal ist, gerade wenn das Kind beginnt sich abzunabeln, dass es mal nichts für die Mama übrig hat, aber es zu wissen ist das eine. Schmerzen tut es trotzdem.
Wenn ich so fertig bin und mich ausgelaugt fühle, ziehe ich meine Kraft u.a. aus dem Lächeln meines Kindes. Aber wenn dieses wegfällt ... ein tiefes Loch.

Ich kann nicht mehr. Innerlich schrie ich diesen Satz immer wieder. Da gab es nur noch eins:
NOTBREMSE

Prioritäten setzen. Also erst einmal einkaufen im Supermarkt um die Ecke.
Studiobesuch wird verschoben auf Mittwoch, Iris und Akiko lasse ich alleine, damit sie sich erst einmal besser kennenlernen können. Josi sag ich, dass sie zu mir kommen soll, da ich mich nicht kräftig genug fühle, um wegzugehen.

Vom Einkauf wieder zu Hause, ließ ich dann Haushalt Haushalt sein und versuchte aktiv abzuschalten.
Und es klappte. Ich stürzte mich ins Abenteuer der Food Photography.
Zuerst wurden die beiden Gelees ausgarniert, dann verschiedene Dekomaterialien besorgt und los gings. Wie hinstellen, welche Perspektive, welcher Hintergrund. das hat richtig Spaß gemacht. Allerdings wird aus mir sicherlich kein Hobby-Fotograph, weil Dinge wie Blenden, Lichtstärken etc mich nicht interessieren. Das geht mir dann einfach zu weit. Ich will einfach nur knipsen und den Rest der Automatik überlassen. ^^;;
Ich habe nicht auf die Uhr geschaut. Als ich dann fertig war, und die Sahne auch anfing wegzufließen, war es bereits Mittag. Passt, da kann ich ja gleich einen Matcha Purin aufessen.^^ Hmmm.

Als ich Kazu abholen ging, fühlte ich mich gut.
Doch in dem Moment, wo ich ihn sah, bzw seine Augen sah, die keinerlei Regung zeigten bei meinem Anblick, fiel ich wieder ins Loch.
Ich ging zu Kazus Garderobenhaken, um seine Sachen einzupacken, da kam er zu mir und meinte, ich soll weggehen. :-(
Tja, ich war zu früh da. Kazu kam gerade vom Vesper-Essen und wollte sich noch ganz alleine die Hände waschen und den Mund abwischen. (Das lernen sie so im Kindergarten. Eine gute Sache.)
Bei meinem Anblick fühlte er sich wohl in seiner Selbständigkeit eingeschränkt. Also ging ich wieder und setzte mich auf die Bank im Eingangsbereich aus der Sicht von Kazu.
... Und kämpfte mit den Tränen. Das ist sicherlich der Schlafmangel ...
Schließlich kam er, und ich sollte mich ans andere Ende stellen. Und so ging es die ganze Zeit. Er war total quengelig. Als dann noch die Erzieherin meinte, dass er sich heute sehr warm angefühlt hat, klingelten bei mir die Alarmglocken. Immer bevor er krank wird, wird Kazu ganz unausgeglichen und quengelt viel. Man kann ihm nichts mehr recht machen.

Irgendwie gelangten wir in den Bus. Da Kazu Bahn fahren wollte, fuhren wir durch bis zum Bahnhof, wo es eine Baustelle gab, auf der zwei (!) Bagger im Einsatz waren. Das musste man sich natürlich anschauen! Und das bei Regen! An Bahnfahren war da nicht mehr zu denken.
Da die Zeit schon fortgeschritten war, blieben wir so lange, bis Fabian von der Arbeit nach Hause kam. So konnten wir dann gemeinsam den Heimweg antreten.
Den Papa fand Kazu übrigens auch ganz uninteressant. Gegen Bagger kommt eben keiner an. :-P

Mich an die Abende zu erinnern fällt mir immer schwer, da mein Kopf dann irgendwie abschaltet.
Auf jeden Fall wurde Kazus Ausschlag immer schlimmer und der Husten klang auch nicht gut, so dass wir Panik bekamen, er könne sich mit Scharlach, das gerade in der Kita hausiert, angesteckt haben. Und eventuell wir auch.
So beschloss ich, mit Kazu am nächsten Tag zur Kinderärztin zu gehen.

Die Nacht konnte ich vor lauter Sorge wieder nicht gut schlafen.

Und eine andere Sache ging mir durch den Kopf.
Im Nekobento-Forum (im Blabla-Thread) hatte ich geschrieben, dass ich Liebeskummer habe. Nun, das Gefühl, dass mir mein Kind seine Liebe verweigert, ist doch so etwas wie Liebeskummer, oder?
Nun ja, die Kommentare darauf haben mich sehr nachdenklich gemacht. ...

Kommentare:

  1. Liebe Beate,
    ich kenne eine Mutter, der ging es genauso. Sie konnte auch sehr schlecht schlafen und es ist definitiv der Schlafmangel der dann einen auch empfindlicher macht, Dinge anders wahr nimmt. Tobias versucht sich ein bisschen abzunabeln aber das heißt nicht das er sich von seiner Mutter trennen will sondern das er versucht selbstständig vorwärts zu gehen, was bei so einer klugen Mutter ja nicht verwunderlich ist. Er ist klug und macht schnell Vortschritte. Das eine Mutter dann etwas sentimental wird und es als plötzlichen Widerstand erst mal bedrachtet ist denke ich normal. Von Burn Out bist du denke ich noch weit entfernd, also mach dir keine Sorgen, ich kenne Fälle aus meiner frühren Arbeit. Ausgebrannt fühlt sich jeder mal und hat die typischen Syntome aber wie du selbst sagst gehst du noch viel unter Leuten und irgendwo habe ich glaube ich auch gelesen das dich Backen entspannt und das machst du ja fleißig. ;) Tobias ist und bleibt dein Kind, egal wie alt er ist! Und er wird dich auch immer lieben auch wenn er es manchmal nicht so zeigt - was ja auch menschlich ist. In seinem Alter macht er das aber sicher nicht bewusst.

    AntwortenLöschen
  2. Das hast du schön geschrieben liebe cori! trifft das was ich sagen wollte auf den punkt!
    hmm aber eine sache verstehe ich nicht mari...was hat dich an den kommentaren im thread zum nachdenken gebracht? ich fand die irgendwie nicht besonders auffällig oder anders als sonst...
    und tu uns einen gefallen...rede dir den burn-out jetzt bitte nicht ein, das ist grad so ne modeerscheinung...burn-out ist schrecklich und das wünsche ich keinem! und eine einlieferung in die psychiatrie (was da auch mal passieren kann) würde alles nicht besser machen. tu dir außerdem selbst ein gefallen und nutze deine ressourcen!!! backe, treffe dich mit den berliner mädels!!!! (nicht nochmal absagen), schreibe und weit entfernten KURZE e-mails, die dich nihct so unter stress setzen...nicht nur dein kind kann eine ressource sein!

    AntwortenLöschen
  3. Ich wollt dich auch nicht unter Stress setzen wegen der E-Mail an mich. Ich werd mich auch besser in geduld üben, verzeih mir!

    AntwortenLöschen
  4. hihi das war darauf bezogen, dass sie für meine e-mail geschlagene 3h gebraucht hat^^

    AntwortenLöschen
  5. Ihr seid lieb, vielen Dank. Bin ganz gerührt.
    Der Mittwoch hat dann auch die Wende gebracht und mir geht es schon wieder etwas besser.
    Ich bin einfach ein Stehaufmännchen. :-P
    Wobei mir auch sehr die anderen Kommentare zum vorigem Post geholfen haben.

    E-mails ... ich finde kurze e-mails schreiben viel anstrengender als lange ... hahaha

    AntwortenLöschen
  6. Meine hat bestimmt genauso lange gedauert. :P

    AntwortenLöschen
  7. Das Schlimme am Burn out ist, dass der Betroffene es selbst gar nicht merkt. Solange du selber merkst, dass was nicht in Ordnung ist, kannst du gegensteuern und das kann ein Burn out Betroffener alleine meistens nicht mehr. Als Mutter ist es leider öfters so, dass einem alles über den Kopf wächst. Wenn dann zum schlecht Schlafen noch ein Kind kommt, dass gerade erste Anstalten macht, den eigenen Kopf durchzusetzen, dann braucht das extrem viel Kraft. Aber es kommt auch immer wieder anders. Du wirst merken, dass dein Sohn dir mal mehr und dann wieder weniger Interesse entgegenbringt und wenn er älter ist, dass dann auch einsetzt, wenn er was will, was du nicht willst. Aber du bleibst immer seine Mutter. LG

    AntwortenLöschen
  8. Danke, Dani. Na ja, ich will ja auch kein Muttersöhnchen heranziehen ... aber gar nicht so einfach loszulassen.

    AntwortenLöschen